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“Steh-Auf-Geschichte” von Walter Wiedemann

Da ich am 1. Juni 1935 geboren wurde, war mir bewusst: “Wer am Kindertag geboren ward, wird nie alt!”

Als einziges Kind meiner lieben Eltern wuchs ich mit Musik und Gesang auf. Onkel Kurt Nacke kam immer mit einer Konzertzither zu uns und spielte und sang. Das war immer eine große Freude. genauso groß war meine Freude, wenn meine Cousine mit ihrem Akkordeon kam und wir spielten und dazu sangen. Ich durfte die Noten umblättern. Von ihr bekam ich mein erstes Akkordeon und Noten zum lernen.

Und ich lernte. Das machte mir und meinen Eltern viel Freude. Da musste Vati zu den Soldaten und ich war mit Mutti allein. Aber Musik und Gesang war unser Begleiter. Im September 1947 kam Vati endlich aus russischer Gefangenschaft zurück. Er machte trotz Schwäche sofort die Meisterprüfung, weil er mich als Lehrling in der verwaisten Werkstatt brauchte. So erlernte ich das Glaserhandwerk und wir waren dann in dritter Generation Rahmenglaser.

Zwischendurch wurde immer wieder Musik gemacht, z.B. bei einer Hochzeit in der Nachbarschaft. Meine Lehre schloss ich mit sehr gut ab. Darauf wurde ich später Obmann der Glaser. Sie holten mich in die Leitung nach Karl-Marx-Stadt. Von da an hatte ich meine eigenen Versammlungen im Kreis zu halten.

Jedoch die Musik ließ mich nicht los. Ich wurde immer wieder zur musikalischen und auch gesanglichen Umrahmung von verschiedenen Feierlichkeiten eingeladen. Da dies alles in Versform gehalten war, so dichtete ich selbst, was gebraucht wurde. Als ersten Chor sang ich im Ottendorfer Männerchor mit. Ich wurde drei mal zum Chorleiter-Seminar nach Zwickau geschickt. Dann leitete ich zwei Männerchöre und gründete den Gellert-Chor in Hainichen. Ich dichtete über 100 Fabeln und schuf über 100 eigene Kompositionen z.T. mit eigenen Texten. (“Mein Striegistal”, “Mein Heimattal”, “Mein Hainichen”, “Mein Böhrigen”, “An der Zschopau bin ich geboren”, “Lied der Glaser”, “Die Glaserhymne” …)

Zwei Bücher mit meinen Dichtungen lies ich drucken. doch wer will sie kaufen und lesen? Vielleicht erst, wenn ich tot bin – wer weiß!

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