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Die Jahreszeiten des Lebens von Evelin Korndörfer


Fauna, Flora auch wir als Homo sapiens unterliegen den Gesetzen einer höheren Macht. Natürlich widerstrebt uns das, denn der Mensch will alles beherrschen. Woher nimmt er eigentlich das Recht? Seine Aufgabe sollte im Erhalten, Pflegen und Schützen unserer Welt liegen. Es gibt genügend Beispiele, wo sein Eingreifen in die Natur Schaden angerichtet hat, doch das ist ein anderes Thema.

Werfen wir einen Blick auf unser Leben unter den Aspekt der Jahreszeiten.

Der Frühling erstreckt sich von der Geburt über die Kindheit bis hin zur Jugendzeit. Der Abschnitt wird geprägt vom ständigen Wachstum — geistig, körperlich wie seelisch — bis zur der uns eigenen Persönlichkeit. Im Familienverband geborgen lernen wir gegenseitige Achtung und Zuneigung zu schätzen. So sollte es zumindest sein. Der Lenz schenkt uns auch, neben einigen Schwärmereien, die „Erste große Liebe“. Wer erinnert sich nicht gern an die Schmetterlinge im Bauch – unvergessen.

Mit allerlei Rosinen im Kopf starten wir in den Sommer. Beruf, Freunde, allein oder in Partnerschaft, erfordern unsere ganze Kraft. Es gilt, den Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen zu meistern. Es gleicht schon einer Gratwanderung, Pflichten erfüllen, Beziehungen pflegen, Ziele im Auge zu behalten und nach Rückschlägen wieder gestärkt aufzustehen. Der Zeitpunkt, unser eigenes Heim zu schaffen, ist gekommen. Kinderlachen füllt nun das Haus; wieder Kind unter den eigenen Kindern sein. Ehrlich, was bindet mehr als zusammen lachen, spielen, toben und zuhören. Für uns viel zu schnell werden aus den Kleinen – Erwachsene. Nun wird es sich erweisen, welche Werte wir ihnen auf den Weg mitgegeben haben.

Am Horizont zeichnet sich langsam die Färbung des Herbstes ab. Auf einmal haben wir Zeit, so viel Zeit, nur für uns. Es gilt, die Stille auszufüllen; nicht ganz einfach, doch lohnenswert. Da gibt es Hobbys, alte und neue, also ran! Plötzlich sind die Enkel da. Mit und durch sie tauchen wir für kurze Zeit ab in die zauberhafte Welt der Kindheit. Noch einmal Geschichten erzählen, Märchen vorlesen, kleine Sorgen beheben, Vermittler sein. Unsere Geduld und Erfahrung zahlt sich dabei aus. Wichtig, Ratschläge nur auf Anfrage erteilen, nicht jammern, klammern oder klagen, wenn die Jugend aufgrund des Berufes wegzieht. Nur dann kommen sie gern auf Besuch. Mit wachem Sinn in die eigene Zukunft schauen, regeln, was zu regeln geht. Der letzte Abschnitt kommt unweigerlich auf uns zu.

Silber das Haar, Falten im Gesicht und allerlei Wehwehchen, der Winter zieht in unser Dasein. So wie der Raureif über Nacht die Natur in ein Wintermärchen verwandelt, sollte das Alter sein. Jeden Tag als ein kostbares Geschenk betrachten, ihn sinnvoll gestalten, attraktiv bleiben, einfach bewusster leben. Beschütze uns das Schicksal vor einem langen Leiden. Das Leben ein ständiger Umbruch, die Richtung, liegt in unser Hand.

 


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