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“Der Segen der Natur” von Nele


Sie sitzt in ihrem roten Lieblingssessel, genießt die Abendsonne, die das Zimmer durchflutet.

Ist fasziniert von dem Duft der rosa Lilien, der die ganze Wohnung einhüllt in ein Meer aus Frühling, Liebe und Sehnsucht.

Sehnsucht nach Zärtlichkeit, nach Frieden. Nicht nur in ihr – möge doch die Welt friedlich sein. Frieden. Ruhe. Entspannung. Wie kann sie sich entspannen angesichts der Diagnose, die seit Monaten über ihnen schwebt? Dieses eine Wort, was fast schon zur “Volkskrankheit” mutiert- Krebs. Jeder ist doch froh, wenn er sagen kann: ein Glück, mich betrifft es nicht.

Sie betrifft es auch nicht, oder doch? Woher kommen die vielen Tränen, die vielen Fragen? Nicht nach dem “Warum”. Nein, sie ist davon überzeugt: hier gibt es viele Ursachen, hier ist vieles zu heilen. Wie kann sie helfen? Kann man seinem Partner überhaupt helfen?

Im Wald heute die Erkenntnis angesichts eines umgestürzten kräftigen Baumes, der quer über einem Bächlein lag: genau so ist es. Es hat ihrem Partner förmlich die Beine weg gezogen. Von 100 auf 0 – raus aus dem Arbeitsprozess. Leben mit dieser Diagnose, nicht wissend, wie alles ausgeht. Immer die Sprüche im Ohr: ach, die Art von Krebs ist gut heilbar. Wo steht das denn? Wer weiß schon so genau, wie es bei jedem Einzelnen verläuft? Sie muss damit leben, wie er eigene Entscheidungen trifft. Sie sind sich manchmal nicht einig in ihren offenen und ehrlichen Gesprächen. Auf beiden Seiten Angst, Unsicherheit, aber auch viel Liebe und Zuversicht. Eine Stärke, die beide beeindruckt. Es ist sein Körper. “Der Glaube versetzt Berge” sagte ihre Oma immer. So wird es sein. Sonst würde er sich nicht den Ärzten anvertrauen, trotz einer riesigen Enttäuschung. Wie würde sie denn entscheiden? Darüber mag sie gar nicht nachdenken.

In ihr ist Frieden. Ja, Frieden und Ruhe. Unter dem umgestürzten Baum floss munter das Bächlein weiter. Ganz in der Nähe sehr weiches flauschiges Gras. Ob das Bächlein es schafft, den Morast mit weg zu spülen, der an dem Baum klebt? Ob es in der Lage ist, die vielen quer liegenden Zweige und anderen Unrat mit zu nehmen auf die Reise? Auf die Reise in einen See oder wo auch immer hin. Dort wird es vielleicht anderweitig gebraucht. Vielleicht sogar von dem Graureiher, der ganz in der Nähe sein Nest hat und majestätisch darüber wacht, das niemand zu nahe kommt. In ihrem schlauen Buch zur Kraft der Tiere steht zum Graureiher u.a. : “Er hilft in Zeiten des Übergangs über das Jetzt den Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft zu finden.” So hat alles seine Bedeutung, auch das Eichhörnchen, das ihr noch über den Weg hüpft und der Milan, der über ihr kreist. Der Anblick des starken Wurzelwerks von dem umgestürzten Baum beim Blick zurück ist sehr beeindruckend.

Sie glaubt fest daran, dass diese Wurzeln die Basis für neues Leben sind. Dass Liebe Berge versetzen kann, dass sich zwei nicht ohne Grund gefunden haben, dass es ein Segen ist, wenn man in der Lage ist, manche Minute einfach intensiver zu genießen.

Oder warum winkt ihr das freche Eichhörnchen jetzt noch mal mit seinem buschigen Schwanz zu ? ;))

 


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