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„Wie 10 Euro unsere Ehe retten“ von Eva

Wir zwei sind ganz schnell komplett bis über beide Ohren ineinander verliebt,
später verlobt und verheiratet – auf jeden Fall unbeschreiblich glücklich miteinander.

Unsere Gesellschaft suggeriert:

Unser erstes Wunschkind ist am Wachsen.

„Ja, ein Kind gehört zum Leben dazu.

Trotz schwieriger Umstände sind wir selig mit unserer Vorfreude.

Deshalb gibt es ein Jahr Babyzeit

Wir erleben gemeinsam die zauberhafte Geburt und

und dann geht man natürlich

spielen uns als unschlagbar klasse Team

wieder auf Arbeit wie zuvor,

mit der Pflege unseres süßen Schatzes ein.

weil das Kind ja dann

Wir feiern die Glücksmomente beim Stillen, beim Tragen, sein erstes Drehen, Krabbeln, das erste Zähnchen, die ersten Worte.

in die Krippe geht.“

Das Glück ist perfekt! So kann es weitergehen!

Doch was ist das?

Wir streiten uns ab und zu.

Das Jahr geht vorbei.

Okay, das gehört zu jeder Ehe dazu. Jetzt eben auch bei uns.

Wir sind brummelig zueinander.

Das Jahr geht vorbei!

Okay, wir haben vielleicht zu wenig Schlaf – Schwamm drüber. Das ist in der Babyzeit halt so.

Mist, wir streiten mehr.

Das Jahr geht vorbei!!!

Nichts Gravierendes.

Aber wir schwingen nicht mehr so miteinander wie früher…

Ob die ewige Liebe doch nur eine Illusion ist?

DAS EINE Jahr geht VORBEI!!!!!

Hat uns die Realität jetzt nach 8 Jahren doch eingeholt?

Können wir noch miteinander leben?

Doch, natürlich – wir haben es uns zu unserer Hochzeit doch ganz bewusst versprochen. In guten, wie in schlechten Zeiten!  Ob das jetzt schlechte Zeiten sind? Mmh, eigentlich geht es uns objektiv gesehen doch gut. Aber das bohrende und nagende Unbehagen bleibt. Und verstärkt sich ungewollt. Ich kann mich über meinen Mann nicht beschweren und trotzdem fühle ich mich unverstanden.

Unser ganzer Stolz ist jetzt 11 Monate alt und macht uns viel Freude. Naja, vielleicht tut uns ja unser erster gemeinsamer Urlaub zu dritt gut. Da haben wir dann auch unseren nächsten Hochzeitstag. Unser Urlaub wird tatsächlich schön. Aber komischerweise muffeln wir uns trotzdem laufend an – ohne zu wissen, warum eigentlich.

Bisher hatten wir unsere Kennlern- und Hochzeitstage immer mit viel Freude gefeiert. Diesmal schien die Freude nicht aufzukommen. Eine gewisse Panik steigt in mir auf. Mein Mann wünscht mir alles Gute, sagt, er liebt mich und schenkt mir neue Ohrringe – was lieb ist und die schön sind, die ich aber gerade gar nicht brauche… oh weh. Auch ich spreche meine Liebe für ihn aus und bin doch traurig dabei. Ist unser Traum vielleicht ausgeträumt und wir wollen es nur nicht wahrhaben? Ich habe kein „richtiges Geschenk“ für meinen Mann – sondern vor dem Urlaub ein kleines Kommunikations-Spiel für Paare gekauft. In einer kleinen Streichholzschachtel liegen viele kleine Kärtchen bereit – mit jeweils einer Frage. Ich will, will, will uns nicht aufgeben! Zu meinem – und unserem – Glück lässt sich mein Mann darauf ein. Ja, er ist toll! Bei fröhlichem Frühlingswetter und ruhigen Wegen spazieren wir nun Kinderwagen schiebend und uns gegenseitig mit den Karten fragend.

Unsere gegenseitigen Antworten lösen plötzlich Knoten, geben uns Luft und fördern zu Tage:

Dass wir beide uns nicht vorstellen können und wollen, unser Kind mit einem Jahr in die Krippe zu geben.  Uns beiden ist dieses „Nein-wir-brauchen-etwas-Anderes“-Gefühl zu beängstigend, zu unerwartet, vielleicht zu unerwünscht. Schließlich hatten wir doch alle nötigen Behördengänge und Formalitäten schon längst „pflichtgemäß“ erledigt. Und doch ist dieses Gefühl sehr stark. Nur hatten wir das in unserem „Wir-funktionieren-gut“ nicht eingeplant – UND auch überhaupt gar nicht beim Anderen erwartet.

Puh, DAS ist es!!!

Ab diesem Moment können wir uns entspannen, uns wieder verstanden fühlen, glücklich miteinander sein!!! Wir genießen nun endlich unseren ersten Urlaub zu dritt in vollen Zügen. Später zu Hause leiten wir dann alles Nötige für unsere Entscheidung in die Wege. Und sobald mal wieder ein mulmiges Gefühl zwischen uns auftaucht, so kennen wir inzwischen Mittel und Wege, um uns gut auszutauschen und gegebenenfalls einen neuen Kurs einzuschlagen.

Die für ihren wundervollen Ehemann sehr dankbare Eva


Unsere zwei Fazits

Erstens: Ja, Krisen gehören zum Leben, zur Beziehung, zur Ehe.

Doch unser Erleben ist, dass die Mischung aus Liebe, wohlüberlegtem Ehegelübde und die Wertschätzung an meinen Partner unser tragendes Fundament ist – aber unsere Liebe nur lebendig und glücklich bleibt, wenn wir gut kommunizieren. Und das können wir alle lernen. Das Angebot an guten Büchern, Beratern/Beraterinnen und Vorträgen ist heutzutage echt gut. Man muss es „nur“ suchen, nutzen und umsetzen. Das macht Aufwand und braucht Zeit, aber lohnt sich unbedingt.

Bei uns war der Startschuss dazu die Investition von nur 10 Euro in eine Streichholzschachtel mit ein paar Kärtchen darin.

Ehekrisen kommen, ob wir wollen oder nicht. Aber wir entscheiden, ob wir daran scheitern und auseinander rennen oder ob wir daran wachsen und gemeinsam glücklich sind.

Zweitens: Unsere Entscheidung, unser Kind auch nach dem gesellschaftlich akzeptierten einem Jahr weiter selbst zu betreuen, hat sich als nicht einfach entpuppt. Wir haben erfahren, dass man dazu in Mittelsachsen heutzutage sehr stark sein oder werden muss. Aber trotzdem ist es für uns die richtige Entscheidung geblieben, aus der bereits weitere private Steh-auf-Geschichten entstanden sind.