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„Steter Tropfen“ von DanielA

Teil eines Originalbildes von F. J.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die große Wellen schlagen – wie ein einzelner, kleiner Wassertropfen, der auf einer glatten Wasseroberfläche auftrifft. Nichts Großes. Trotzdem verursacht er Wellen, dessen Kreise sich fortsetzen und immer größer werden.

Als Mädchen bestanden meine solche Wassertropfen aus der Summe von wenigen Informationen:

Ich war ungeplant entstanden, hieß es.
Meine Mutter hätte sich einen Jungen gewünscht, hieß es.
Bis zu meiner Geburt hätten meine Eltern nur einen Jungennamen für ihr Baby ausgewählt, hieß es. Und als ich dann doch (bei einer wohl realistisch anzunehmenden ca. 50/50-Chance) ein Mädchen war (Ultraschalluntersuchungen waren damals keine Routineuntersuchungen), wurde einfach ein „a“ angehängt, hieß es. So hatte ich einen Jungennamen mit angehängtem „a“.
Ich musste die Haare sehr kurz tragen. Das war zu DDR-Zeiten wohl oft so üblich. Schließlich sei das ja auch sooo praktisch. Außerdem würde das Haar vom Kurzhalten dicker werden…
Mir wurden hauptsächlich Jungensachen angezogen, weil es zu DDR-Zeiten gegenüber heute nur wenig Kinderkleidung zu kaufen gab. Und Jungensachen konnten in der Familie weitergegeben werden. Außerdem wurde das Geld auch für andere wichtige Dinge benötigt.

Die Krönung war mein Schulanfangskleid! – mit angenähter Krawatte… Ääh…!

Absolut sicher bin ich mir, dass meine Eltern diese Punkte nie bewusst oder gar zu meinem Schaden wollten. Nein, sie lieben mich – sehr sogar.Aber so habe ich mich selbst nicht gemocht und wurde immer mal wieder als Junge angesprochen. Das traf mich.

In Jugendjahren habe ich mich so sehr unwohl mit mir und meinem Namen gefühlt. Das passte irgendwie nicht. Irgendwie hohl. Meine Tropfen zogen unbemerkt ihre Wellenkreise.
Sie wurden verstärkt durch die Erfahrung, als Mädchen bedrängt zu werden. Das macht was mit einem.

Später: Ich bin meinem Traummann begegnet und ich fühle mich in seiner Liebe vollkommen wohl. Wir heiraten. Vor der Geburt unserer Kinder haben wir jedes mal voller Freude Namensbücher gewälzt und uns mit Leidenschaft über Klänge und Bedeutungen von Jungen- und Mädchen(!)namen Gedanken gemacht. Wir hießen jedes mal Junge wie Mädchen willkommen. Von unserer Frauenärztin hatten wir uns nie verraten lassen, welches Geschlecht sie bei unseren Babies entdeckt hatte (abgesehen davon, dass sich beim Ultraschall auch schon mancher geirrt hat).
Bei nun diesen Namenssuchen bin ich mir den entstandenen Wellen meiner Tropfen in meiner Seele immer mehr bewusst geworden. Welch Erkenntnis für mich. (meine erste Entdeckung)
Aber Wissen allein heilt noch nicht unbedingt. Und beim Buchstaben „D“ in den Namensbüchern bin ich dann auf diese Erklärung gestoßen:

 

Quelle:  Das christliche Namensbuch, Namen und ihre Bedeutung, edition JOYCE, R.Brockhaus Verlag Wuppertal 2004

 

(„Gott ist mein Richter“ – meine zweite Entdeckung)

Wow! Eine ganz andere Denkweise: Gott richtet über mich! Und nicht die Menschen! Sondern der Gleiche, von dem in der Bibel steht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Was für eine Gnade! (meine dritte Entdeckung)
Viel zu oft warf es mich aus der Bahn, wenn Menschen über mich urteilten – meist ohne mich überhaupt zu kennen. Aber inzwischen lasse ich mich weniger von Menschen richten. Dies bleibt wohl noch länger eine nötige Übung. Aber der Weg ist richtig.

Heute liebe ich meinen Namen. Ja, er passt regelrecht zu mir. Ich bin bei meinem Namen gerufen. Wie befreiend! Die Wellen meiner Tropfen sind an meinem Seelenufer gestrandet – und gestoppt. Sie breiten sich nicht mehr aus.

 


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