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„Mondlandung“ von Nina Pohl

Sternenfuß 2 – Collage J. Hühnerbein

 

Sie lebte lange im Eispalast

wo die Schneekönigin und ihr Kai residieren.

Spiegelglatte Wände. Ein Parkett zum Ausrutschen.

Sie hatte das Schlittschuhlaufen nie gelernt.

Hat resigniert. Lange Weile gezüchtet.

Sich züchtigen lassen. Sich Zaumzeug anlegen lassen.

Die Zügel waren knapp bemessen.

Schneeleoparden lauerten in den Ecken.

Lautlos wurde jede Abweichung registriert.

Eine eisige Drohkulisse aufgebaut.

Schweigemauern. Eisige Einsamkeit.

Sie war dem eiskalten Winter dem Wind nicht gewachsen.

Sie war nicht Gerda. Sie konnte Kais Herz nicht

mit Tränen erweichen. Sie war ein niña.

Ein Kind vom anderen Stern.

Mit anderen Gesetzen aufgewachsen.

Alles war fremd hier. Dann ist sie aufgewacht.

Mitten in der Nacht im hohen Mond.

Es war ungewohnt. Geschont wurde sie nie.

Nun aber lag die Landschaft im sanften Licht.

Stille hüllte sie ein. Mondmatten lagen aus.

Es war schön hier. Und sie ein scheues Tier.

Dieses Land war ihr vertraut. Es war ihr Land.

Hier war sie gelandet. Sie hatte es sich vertraut gemacht.

Es bellte sie nicht mehr an. Ihr Mann war freundlich.

Befremdet dachte sie zurück an die Eiszeit.

Sie fröstelte. Zum Glück lag das hinter ihr.

Das Glück lag ihr zu Füßen. Es lächelte. Sie lächelte zaghaft.

Es würde ein vorsichtiger Anfang werden. Ein langsames Erwärmen.

Sie würde Zuwendung brauchen. Ermutigung und Rückhalt.

Hin und wieder würde sie sich noch Eissplitter aus der Haut ziehen.

Aber ihr Herz war rein. So wie am jüngsten Tag.

Der Tag sah einladend aus. Sie wird die Einladung annehmen.

Tag für Tag.