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„Einfach Leben“ von Nina Pohl

Sternenfuß 3 – Collage J. Hühnerbein

 

Irgendwann stiegen wir raus aus unserm Grab.

Das Leben draußen war unbrauchbar geworden.

Es nährte nicht den Geist und nicht die Sinne.

Wir hatten versucht uns an den Einheitsbrei zu gewöhnen.

Es war mißglückt. Wir hatten einen gänzlich anderen Geschmack.

Der uns nicht zugute kam. Denn die anderen umgingen uns.

Uns umfing die Stille der Nacht die gewaltig war.

Die Tage waren gewalttätig. Wir hielten uns bedeckt.

Wir hielten uns umarmt. Wir redeten viel. Wir weinten.

Wir weinten um unser Leben. Wir zürnten.

Das Leben hat es nicht gut gemeint mit uns.

Alles was wir hatten war hart errungen.

Und konnte uns jederzeit genommen werden.

Dennoch waren die Leute neidisch auf uns.

Denn wir hatten uns.

Wir hielten uns an den Händen.

Wir hielten uns an Gesetze.

Wir hielten das Ganze nicht aus.

Hin und wieder befiel uns Schwermut.

Wußten wir nicht weiter. Zweifelten an uns.

Trennten uns von denen die uns nicht guttaten.

Aber die Liebe blieb bei uns.

Sie wärmte uns in durchwachten Nächten.

Sie erhellte uns die erbärmlichen Tage.

Und wenn wir kuschelten wußte ich wozu ich überlebt habe.

Was wir durchlebt hatten war zu schlimm für ein Leben.

Wir trugen schwer daran.

Ich sehnte mich nach dem einfachen Leben.

Es war schwer unser Leben zu vereinfachen.

Die Dinge die hereinbrachen waren schneidend und gemein.

Wir brachen oft zusammen.

Drehten und wendeten die Dinge.

Und warfen sie erleichtert wieder hinaus.

Und blieben bei uns. Blieben der Liebe treu.

Die Liebe war der Maßstab. Ihr gehörten wir an.

Mit ihren Augen betrachteten wir die Dinge.

Und lernten hinter die Dinge zu sehen.

Ihre Bedeutung für uns zu ermessen.

Zu unterscheiden welche zu uns gehören und welche uns schaden.

Es schadeten die die uns ängstigten.

Uns aus der Liebe entfernten.

So lernten wir uns zu nähren.

Mitten in einer unwirtlichen Welt.

Der wir uns nicht entziehen konnten.

So erzogen wir uns. Zur Liebe.

Für unser einfaches Leben.