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„Du sollst leben!“ von Zenta Langegger

Mein Name ist Zenta Langegger. Ich bin 1948 im bayerischen Alpenvorland geboren.  Mein Elternhaus ist ein kleiner Bauernhof, abseits vom Dorf, in einem kleinem Tal gelegen.  Mein Vater hat dort eingeheiratet. Er war ein enorm fleißiger Mensch und hat immer an Umbauten mit Vergrößerungen und Verbesserungen gedacht. So auch im Frühjahr 1952, als ich 4 Jahre alt war. Vater hat eine Güllegrube von Hand ausgehoben und musste diese jetzt betonieren. Er hat vor einen Wagen zwei Ochsen gespannt und hat einen Bruder und mich mitgenommen, um ins Lagerhaus zu fahren und Zement zu holen. Unser Rückweg führte über provisorische Brücken aus zusammengeschobenen Stämmen und ich saß ganz außen rechts. Vielleicht bin ich eingeschlafen, jedenfalls bin ich heruntergefallen und wurde vom Anhänger mit 25 Zentner Zement überrollt.

Mein Vater hat den Wagen abgehängt und hat mich mit dem Fuhrwerk heimgebracht. Dann hat er sich auf das Fahrrad gesetzt und ist ins Dorf gefahren, um den Doktor anzurufen. Der war ca. 15km entfernt und musste wohl in einem Höllentempo über die Feldwege zu uns gekommen sein. Ich habe nur noch kleine Erinnerungen von den Momenten, in denen ich kurz aus der Ohnmacht erwachte. Ich weiß noch, dass ich ein weißes Kleid an hatte. Der Doktor hat mich mit meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren. Wie ich später erfuhr, war gerade Stromausfall. Der anwesende Pfarrer hat mir die Sterbesakramente erteilt, worauf ich wieder zu Bewusstsein kam. Der Chirurgische Chefarzt hat mir ein paar Fragen gestellt. Er hat dann meiner Mutter gesagt, es sei zwar wenig Aussicht auf Erfolg, aber er versuche eine Operation.

Im nächsten Jahr werde ich 70 Jahre alt. Ich habe überlebt und vieles erlebt. Seit 1999 lebe ich in Sachsen und habe 2002 einen Schlaganfall mit ein paar kleinen Defiziten überlebt. Der Gedanke,  du sollst leben, begleitet mich das ganze Leben.
 

 


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