„Danke, dass ich wieder lachen kann“ von Regine Krätzschmar

Vor fast zwei Jahren passierte etwas für mich völlg Unbegreifliches:

Ich war einem mir über sehr viele Jahre sehr nahestehenden Menschen – selbst auf meine Nachfrage hin – kein „Danke“ mehr wert. Er hatte es nicht einfach vergessen. Ich sollte keinen Dank bekommen. Die Umstände, die dazu führten, sollen hier nicht näher erörtert werden.

Nur so viel: Ich habe anderen immer gern geholfen – für ein „Danke“.

Nun war ich aus seiner Sicht nicht einmal ein „Danke“ wert. Für mich brach eine Welt zusammen. Wozu war ich dann noch da? Ich hatte weder Ziele noch Wege. Panik! Ich war nur noch ein heulendes Elend. So entschied ich mich umgehend, mich in einer psychologischen Tagesklinik anzumelden. Ich konnte diesen Lebenszustand so nicht ertragen. Ich stellte mir vor, wie ich mich ……. fallen lassen würde. Immer wieder das gleiche schlimme Gedankenbild!

Neben den Therapiesitzungen wurden in der Klinik Veranstaltungen organisiert, die die Patienten selbst auswählten, so auch eine Schriftstellerlesung.

Dies war für mich eine ganz besondere Veranstaltung. Eine Geschichte hat mich tief berührt. Der in darin beschriebene Mann erinnerte mich so sehr an meinen Vati.

Während meine Gedanken noch bei meinem Vati weilten, zuckte mir ein Gedanke durch den Kopf: Selber schreiben! Mir fiel – plötzlich – ein, dass ich vor Jahren schon einmal begonnen hatte, kleine Gute-Nacht-Geschichten aufzuschreiben. Ich hatte es vergessen, verdrängt, aus dem Blick verloren. Jetzt war es wieder da! Am gleichen Abend schrieb ich an die Autorin einen Brief, in dem ich mich für die Veranstaltung bedankte und legte ihr ein paar Geschichten und Gedichte von mir sowie meine Kontaktdaten bei. Nach einigen Tagen erhielt ich eine e-mail von ihr, in der sie mir mitteilte, dass ihr meine Geschichten gefielen und dass daraus ein Kinderbuch entstehen müsste. Diese Nachricht erreichte mich genau an dem Nachmittag, den ich mit meiner Freundin und ihrer Tochter verbrachte. Wir haben uns vor Freude über diese Nachricht umarmt, gelacht und haben getanzt wie drei Rumpelstilzchen. Nun wusste ich, was Freudensprünge sind! Während des Klinikaufenthaltes habe ich weitere Geschichten geschrieben, oft an den Tageserlebnissen orientiert. Zumeist waren Tiere oder Pflanzen die Handlungsträger. Denen legte ich meine Gefühle und Gedanken in den „Mund“.

Diese Autorin war es auch, die mir eine Schreibwerkstatt empfahl sowie den Kontakt zu ihrem Verleger ermöglichte. Es war für mich unfassbar, dass auch er offen für ein Kinderbuch von mir war. Die von ihm angebotenen Bedingungen erschienen mir allerdings hinsichtlich des Umfanges und des Aufwandes zu umfangreich, so dass ich mich zunächst von seinem Angebot zurückzog.

Meine Geschichten wollte ich gern illustrieren, hatte dazu aber gar keinen Einfall. Im Herbst gab ich in der Schreibwerkstatt einige Geschichten für eine in Vorbereitung befindliche Anthologie sowie für ein eigenes Buch ab. Gestaltungsideen hatte ich aber immer noch keine. Ich hätte die Buchherstellung gern irgendwie unterstützt, einfach deshalb, damit es schneller voran geht. Doch das ist wohl nicht möglich und mir wurde Geduld empfohlen. Ich habe schon viele Sachen gelernt, doch Geduld aufzubringen für etwas, das ich selbst nicht mitgestalten kann und einfach nur abwarten muss, erscheint mir unlösbar. In solchen ausweglos erscheinenden Situationen werden aber offensichtlich neue Ideen geboren. Dieses Verfahren des Gehirnes habe ich zwar noch nicht verstanden, durfte es aber erleben. Meine ursprüngliche Idee, die Texte zu untermalen, ließ sich bisher leider nicht umsetzen. Aber die Idee steckte noch irgendwo im Kopf. Als mir meine Freundin eines Nachmittags eine Falttechnik für ein kleines Büchlein aus einem DIN A-4-Blatt vorstellte, hatte sich eine Verbindung von Text und Gestaltung ergeben. Für mich war es nicht nur eine tolle „technische“ Lösung. Für mich war es ein Stück Freiheit: Ich durfte über den Rand malen und in den Text hinein. Künstlerische Meisterwerke mussten auch nicht entstehen. Es war für mich völlig in Ordnung, dass ich mit einfachen Holzbuntstiften fast kindliche Zeichnungen erstellte. Grenzen waren weg. Keiner hat mir gesagt, dass ich das so machen soll.

Man hat mir Türen gezeigt. Geöffnet und hindurch gegangen bin ich selbst.

Ich habe Ideen meiner Freundinnen in Anspruch genommen, doch entstanden ist etwas ganz Eigenes!

Seit Jahresbeginn 2017schrieb ich Katzen-Geschichten. Ich habe die Kätzchen mit vielen menschlichen Eigenschaften und Gefühlen ausgestattet: mit Freude, Trauer, Zweifel, Irrtum und Entdeckerlust. Sie können überlegen, miteinander sprechen und Kompromisse finden.

Auf der Buchmesse 2017 in Leipzig fand ich einen Verlag, der sich für diese Katzen-Geschichten interessierte.

Als der Vertrag unterschriftsreif vor mir lag, bat ich meine erwachsenen Kinder, mir den Satz zu sagen: „Mutter, worauf wartest du? Mach los!“ Sie haben es mir lachend gesagt und ich „machte los“: am 01.06.2017, an meinem Geburtstag, unterschrieb ich den Vertrag für das Buch.

Das alles ist in einem reichlichen Jahr passiert!

Es hat mir so viel Freude bereitet!

Viele kleine Geschichten habe ich bisher im „Geschenkformat“ weitergereicht.

Die Anthologie ist kürzlich erschienen. Sie enthält drei Geschichten von mir.

Noch im August 2017 wird mein erstes eigenes Buch erscheinen. Mein „Baby“, ein neues Leben.

Es wird die Welt nicht verbessern, aber allen Lesern bestimmt ein bisschen Freude bringen. Das wünsche ich mir sehr!

P.S. Wie das nach dem ersten Baby oft so ist:

Wir können uns gemeinsam schon auf ein Geschwisterchen – ein weiteres Buch ist in Arbeit- freuen!

Ein herzliches Dankeschön und eine feste Umarmung für alle, die mir geholfen haben, dass ich wieder lachen kann!