„Anfang und Ende – eine Stehaufgeschichte“ von Sarah und Sylvia

(c) 2017 Silke Dietze, Fotozirkel Mittweida

Am Anfang hatte ich unglaubliche Angst, allein loszulaufen.

Jemand musste mit in den Wald, in die Natur …

Aber wer hatte schon Zeit dafür, wer Lust?

Niemand!

„Mutti, du Angsthase“, sagte mein Sohn und schenkte mir zum Muttertag Walkingstöcke.

Er zeigte mir die Technik, die er als Sportstudent natürlich perfekt beherrschte und wünschte mir viel Spaß. Also fuhr ich zum Rossauer Wald und lief los. Ich kam mir total verloren vor und natürlich musste ich mich vor Aufregung schon nach kurzer Zeit in die Büsche schlagen …

Ich zog gerade meine Jeans wieder hoch, da stand plötzlich ein Mann mit einem Messer in der Hand hinter mir.

Wie im Krimi dachte ich, jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen!

Aber zum Glück war der Mann nur ein harmloser Pilzsammler gewesen, einer, der sich über meinen Schreck amüsierte und mir stolz seinen Korb mit Pilzen zeigte.

Heute kann ich mich über die Begebenheit, die mir damals das Herz vor Angst in die Kniekehlen rutschen ließ, genauso köstlich amüsieren wie der Pilzkundige. Und: Ich gehe jetzt richtig gern im Wald wandern, lausche dem Vogelgezwitscher und dem Plätschern des Baches – und zwar ganz und gar ruhig. Und ganz und gar: allein.

Am Ende ist aus dem Angsthasen ein mutiger Hase geworden.