„Abgebrannt“ nach einem Interview von Julita Decke

(c) Silke Dietze Fotozirkel Mittweida


das Wasser fließt wieder – September 2013 – Bundestag wird neu gewählt – FDP raus – Merkel bleibt im Amt – letzter Schliff am Haus – schönes Haus geworden – Erich Loest stirbt – obwohl ungünstige Lage – Büro unten – Wohnung oben – Wohnung vermietet – neue Ameisenart in Malaisia entdeckt – wollte immer in irgend einer Form in Eigentum kommen – lass uns ein Haus kaufen – unserem Hobby nachgehen – nach all dem Streß mit den Verhältnissen – Geiselnahme in Einkaufszentrum in Nairobi – 70 Tote – 300 Verletzte – Tag der Sachsen – Oktoberfest – Trödel sammeln – Klo auf halber Treppe gehört der Vergangenheit an – 7 Millionen Schulden – Mercedes S-Klasse als erstes autonomes Landfahrzeug – Oktober 2013 – Vettel gewinnt Formel I – Mondfinsternis – Laden läuft gut an – Duft nach Papier und Drucker – Telefon klingelt – Computer ist hochgefahren – 2. Oktober: Tag der Gewaltlosigkeit – Ein Auto hält vor dem Laden – Großer alter Schrank verkauft – 3. Oktober: 366 Bootsflüchtlinge vom Meer gefressen – 200 Schlüssel liegen bereit – Wohnungen vermietet –  Leberblümchen  wird  Blume  des  Jahres  –  heiße  Tage  –  alle  Fenster  offen  –  100  Jahre Lebensrettungsgesellschaft –  Proteste  in  der  Ukraine  – 11. November:  Klimakonferenz  in Warschau  – Chanukka – es riecht nach Winter – Kamin geheizt – Computer abgestürzt – alles gut – Taifun auf Haiti – 13. Dezember: Irland verlässt den Euro-Rettungsschirm – nochmal 1000 Euro für unsere neue Küche – Springer übernimmt N24 – kalte Tage in der Stadt – die neue sächsische Milchkönigin kommt aus Mittweida – wir gehen spazieren – was machen wir Weihnachten – runde Geburtstage stehen ins Haus – 19. Dezember: Akobo/Südsudan 20 000 Menschen fliehen vor Militär – 7.30 Uhr Frühstück in der neuen Küche – 9.23 Uhr die Gaia startet ins All – frische Bäckerbrötchen und Kuchen für Nachmittag geholt – unsere Enkel kommen nachher – Ursula macht alles zurecht – noch ein Kunde im Laden – 14.30 Uhr Telefon – die Enkel kommen etwas später – Duft nach Kuchen – Hunger stellt sich ein – eine E- mail kommt – 14.45 Uhr Herb Geller stirbt – Jazz war sein Leben – 14.46 Uhr der Kuchen schmeckt nach Kaffeduft – 3 Kerzen auf dem Adventskranz – 14.59 Uhr eine Schneeflocke auf dem Fensterbrett – Melanie muss husten – die CD fängt neu an – Es ist ein Ros entsprungen – eine Gabel fällt auf den Boden – Urwaldriese fällt im Busch von Borneo – Herr Seewald hustet – 15.02 Uhr der Stollen ist diesmal trocken – 15.03Uhr es klingelt – Herr Seewald steht hustend vor der Tür:

es qualmt. woher kommt das. renne durchs Haus. Stille. Weihnachten. Kerzen.Brennt es?.was soll das.Mein Büro steht in Flammen.garkeineKerze dort?Alle raus hämmert es im Kopf. 20 000Flüchtlinge inAfrika. Schneeflocke. Meine Frau.die Enkel.die Obermieter.der Laden.alleRausAusDemHaus!

5 Minuten braucht die Feuerwehr – was ist mit den Akten – der Computer – alles weg – Rauch im ganzen Haus – Rußschwarz die Treppe – nass die BödenMöbelTischeBettenGardienenFernseherWehrpassHandtücher Sessel – Lebenstraumfutsch

wir leben – wir haben uns – Freunde kommen gerannt – fragen
nach unserem Befinden – wo sollen wir schlafen – uns standen die Tränen in den Augen– von der Seite her – was wird nun?


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